Medizin

Das Gesundheitssystem in Neuseeland ist anders.

Aus diesem Grund benötigen SIE grade in den ersten Monaten dringend unsere Hilfe.

Um es gleich vorwegzunehmen: das neuseeländische öffentliche Gesundheitswesen ist staatlich organisiert und grundlegend anders aufgebaut als das deutsche. Eines hat es jedoch mit diesem gemeinsam: wenn man den Medien glauben darf, funktioniert es nicht und es ist viel zu teuer...

Natürlich ist das ein Vorurteil, auch wenn manchmal die Schwestern der Entbindungsstationen oder die Röntgenologen bei uns streiken - das ist zwar ärgerlich, aber Schwerwiegendes in der ärztlichen Versorgung passiert deswegen kaum. Ein Problem ist allerdings die Wartezeit bei Fällen, die nicht kritisch sind. Hat jemand einen Herzinfarkt, wird natürlich sofort und unverzüglich alles unternommen. Anders jedoch bei nicht so dringenden Erkrankungen. Hat man keine private Versicherung, kann z. B. ein Termin zur Ultraschalluntersuchung für Gallensteine in einem öffentlichen Krankenhaus erst in etlichen Wochen verfügbar sein. Ist man jedoch privat versichert, dann - oh Wunder - kann man schon am nächsten Nachmittag zum privaten Labor gehen. Im ersten Fall (staatlich) ist die Untersuchung kostenlos, im zweiten Fall (privat) kostet das dem Patienten etwa 250 NZ$ (125 Euro).

Private Ärzte, Spezialisten und Krankenhäusern:

In diesem Zusammenhang wird oft von einer Zweiklassengesellschaft in Neuseeland gesprochen: solche mit privater Krankenversicherung und solche ohne. Der größte private Versicherungsträger, Southern Cross, hat über eine Million Versicherte unter Dach und Fach, das ist ein Drittel der gesamten Bevölkerung. Die Beiträge sind absolut erschwinglich, ein Ehepaar im mittleren Alter zahlt je nach Plan und Selbstbeteiligung zwischen 150 und 200 NZ$ (75 - 100 Euro). Zusammen und monatlich wohlgemerkt...

Ärzte und Krankenhäuser dürfen in Neuseeland Werbung betreiben, Werbespots in Radio und Fernsehen oder Anzeigen in der Zeitung sind weit verbreitet, besonders für Notfall-Kliniken, die rund um die Uhr geöffnet sind.

Wie in Deutschland führt im Krankheitsfall zunächst am privaten Hausarzt, dem GP - Generell Practitioner - kein Weg vorbei. Die Kosten dafür übernimmt zwar die private Versicherung, aber nicht das staatliche Gesundheitswesen. Es sei denn, es handelt sich um einen Unfall, denn dann gilt automatisch das ACC-System - wer sagt denn hier, dass das neuseeländische System einfach und durchschaubar wäre? Im öffentlichen Gesundheitswesen geht man ganz pragmatisch davon aus, dass ein Kranker auch wirklich krank ist und dann natürlich ins öffentliche Krankenhaus geht, wo genügend Ärzte verfügbar sind. Der angenehme Nebeneffekt: es sind in Neuseeland weitaus weniger Leute "krank" als in Deutschland und geht man zum GP, dann gilt man als Privatpatient und wird auch als solcher behandelt! Es gibt in den Arztpraxen hier so gut wie keine Wartezeiten, denn entweder hat man einen Termin und kommt dann auch pünktlich an die Reihe oder man ist ein Notfall und wird vorgezogen - so einfach ist das. Die Kosten sind auch erschwinglich, ein Besuch beim GP kostet je nach Wohnort zwischen 40 und 60 NZ$ (20 - 30 Euro) und wird üblicherweise sofort bezahlt. Diese Kosten werden wie schon gesagt von den privaten Versicherungen problemlos erstattet. Lebt jemand von Sozialhilfe, dann muss er nur einen geringen Teil davon selbst bezahlen.

Hat man ein Problem das vom GP, dem Hausarzt, nicht gelöst oder behandelt werden kann, schickt einen dieser zum privaten Facharzt, dem Spezialisten (der übrigens auf jeden Fall einen Doktortitel hat, aber als Mr, "Mister", angesprochen wird, das ist eine Stufe über dem Dr - verstehe einer die Welt). Natürlich kann man dort auch direkt hingehen, aber eine der Merkwürdigkeiten des Systems hier ist, dass die Empfehlung durch den GP üblich ist und dass man dann meist sofort einen Termin bekommt. Versucht man das selbst zu organisieren, darf man sich nicht wundern, wenn einem ein Termin etliche Monate in der Zukunft genannt wird. Warum das so ist, habe ich nie herausgefunden. Also: zuerst zum GP, dieser schreibt einen sog. letter of recommendation und damit geht man dann zum Spezialisten. Oft macht sogar der GP direkt einen Termin mit dem Spezialisten für Sie aus. Diese Leute können sehr teuer sein, zwischen 120 und 200 NZ$ pro Besuch (60 und 100 Euro). Auch diese Rechnungen werden sofort nach der Behandlung an Ort und Stelle bezahlt, aber private Versicherungen ersetzen das bis zu einem bestimmten Limit ohne Weiteres.

Muss der Patient dann unters Messer, kann er sich als privat Versicherter oder selbst Bezahlender ein privates Krankenhaus aussuchen. Die Nacht in einem normalen Zimmer, also keine Intensivstation, kostet dort um die 400 NZ$ (200 Euro). Diese erinnern mich immer mehr an Hotels als an Krankenhäuser, mit dem gravierenden Unterschied, dass im Hotel ganz sicher niemand mit einem Skalpell an Ihnen herumschnitzt. Einzelzimmer mit Bad, WC, TV und Telefon sind die Norm, liebevolle Betreuung rund um die Uhr ist selbstverständlich. Die Patienten bleiben nur einen Bruchteil der Zeit in stationärer Behandlung, die in Deutschland üblich ist. Nach einer Gallensteinoperation werden Sie am nächsten Tag heimgeschickt, in Deutschland sind zwei Wochen Krankenhaus normal. Woher kommen schnell wieder diese enormen Kosten im deutschen Gesundheitswesen? Ich glaube mich zu erinnern, dass Krankenhauskosten daran maßgeblich beteiligt waren...

Das öffentliche Gesundheitswesen:

Das ist staatlich organisiert und muss ganz grundsätzlich unter zwei Gesichtspunkten betrachtet werden:

A - Erkrankung durch Unfall
oder
B - durch sonstige Krankheit

Diese strenge Unterteilung ist nicht nur für die Neuseeländer wichtig (oder solche die es werden wollen) sondern auch für Touristen.

Was geschieht, wenn jemand einen Unfall hat? Ein Unfall wird hierzulande definiert als "ein von außen auf den Körper einwirkender Umstand". Das kann ein Sportunfall sein, ein gebrochenes Bein auf der Baustelle, ein Verkehrsunfall, im Haushalt - egal was - wenn es ein Unfall ist, dann springt automatisch das neuseeländische staatliche System ACC ein. Es wird finanziert aus Arbeitgeberbeiträgen und einer Abgabe bei der Kfz-Zulassung. ACC bedeutet Accident Compensation Corporation und diese Organisation bezahlt die gesamte Behandlung. Das beginnt beim Transport ins öffentliche Krankenhaus, umfasst die gesamte Behandlung dort, die Bezahlung von Krankengeld während dieser Zeit und endet mit Rehabilitierung sowie, wenn erforderlich, einer Arbeitsunfähigkeitsrente.

Dies gilt zum Teil auch für Touristen, denn dann klärt ACC selbst die finanzielle Seite der eigentlichen Behandlung und der Krankenhauskosten mit den deutschen Leistungsträgern ab und das Unfallopfer muss sich um nichts weiter kümmern. Selbst wenn der Tourist keinerlei Versicherung hatte - was natürlich aus vielerlei Gründen sehr unklug wäre - entstehen ihm aus der Behandlung seiner Unfallverletzungen in den staatlichen Einrichtungen keine weiteren Kosten. Alles andere, z. B. Verdienstausfall, Heimflug, Rehabilitierungskosten und eventuell erforderliche zusätzliche Spezialisten wie Physiotherapie oder Nachbehandlungen werden jedoch nicht von ACC getragen, sondern müssen vom Touristen selbst organisiert und bezahlt werden. Weil das staatliche ACC alle Kosten übernimmt, sind in Neuseeland weitergehende Entschädigungsansprüche dem Unfallverursacher gegenüber wie z. B. Schmerzensgeld, Lohnausfälle oder Kostenerstattungen irgend welcher Art juristisch völlig ausgeschlossen - ein schwerwiegender Nachteil für manche unverschuldet in Verkehrsunfälle verwickelten Touristen. Einen Bericht zu einem solchen tragischen Fall finden Sie hier:

Bei Krankheit greift das staatliche Gesundheitswesen, überwacht vom Gesundheitsministerium, dem Ministery Of Health und finanziert aus Steuergeldern. Die eigentliche technische, personelle und medizinische Verwaltung der öffentlichen Krankenhäuser und der Ärzte dort liegt in den Händen der jeweils regionalen District Health Boards. Muss man wegen seiner Erkrankung trotzdem noch zum Hausarzt, dem GP, gilt das bereits weiter vorne gesagte: diese Kosten muss der Patient selbst tragen.

Zahnärzte und Optiker:

Das staatliche Gesundheitswesen (auch ACC, wenn die Erkrankung unfallbedingt war) übernimmt nur die Kosten für die Wiederherstellung der Grundfunktionen und das war's dann auch schon. Alles andere muss man selbst bezahlen, das ist auch der Grund dafür, warum hier so viele Leute mit entsetzlich schlechten Gebissen und billigen Brillen aus dem Kaufhaus herumlaufen. Die privaten Versicherer bezahlen für beides nur einen jährlichen Pauschalbetrag, der aber natürlich für aufwendige Arbeiten keinesfalls ausreicht. Zahnärzte sind bei uns noch bezahlbar, je nach Ort und Bekanntheitsgrad zwischen 120 und 200 NZ$ ( 60 und 100 Euro) pro Besuch sind normal. Folgebesuche sind meistens billiger. Die Kosten für zahntechnische Arbeiten sind grob geschätzt ungefähr halb so hoch wie in Deutschland. Bei der gelieferten Qualität muss man sehr genau aufpassen.

Die Konsequenzen:

Wenn Sie in Neuseeland leben möchten, sollten Sie für sich und Ihre Familie hier unbedingt eine private Krankenversicherung abschließen. Verglichen damit wie viel Sie in Deutschland für Ihre Krankenversicherung bezahlt haben, sind die hier üblichen Beitragssätze durchaus bezahlbar und sollten in Ihrem Budget leicht unterzubringen sein. Wenn Sie sich das, aus welchen Gründen auch immer, nicht leisten können, haben Sie trotzdem mit Ihrer Aufenthaltsgenehmigung in Neuseeland automatisch Anspruch auf kostenlose und erstklassige medizinische Behandlung im öffentlichen Gesundheitswesen.

Unsere Ärzte und Krankenhäuser sind modern und state of the art, auch wenn die Organisation recht unterschiedlich ist. Es gibt bis einschließlich der Herz-Lungentransplantation keine medizinisch anerkannten Methoden, die in Neuseeland nicht auch bekannt und üblich sind. Unsere Ärzte sind up to date vertraut mit allen medizinischen Errungenschaften. Sie kommen aus der ganzen Welt und sehr viele davon aus England bzw. Europa.

Eine weitere Besonderheit in Neuseeland sollte nicht unerwähnt bleiben: es gibt hier unzählige Anbieter von teils recht suspekten bis manchmal geradezu grotesken alternativen Heilmethoden. Das beginnt mit zahllosen unterschiedlichen Massagearten, geht über esoterische Methoden wie Reiki, Farb-, Geräusch- und Aromatherapien über Heilen mit Kristallkugeln, Mineralien, Urschreitechniken, Hypnose und Schamanentrommeln bis zu buddhistischen Klöstern mit Schweige- und Fastenregeln. Natürlich haben wir auch diese "Wunderheiler", welche Krebs im Endstadium mit Kräutertees und aktiviertem Wasser heilen wollen. Doch wie heißt es so schön?: "Der Glaube versetzt Berge...

Homöopathie, Osteopathie und Akupunktur sind übrigens anerkannte Heilmethoden in Neuseeland und werden zum Teil sogar von den privaten Versicherern bezahlt.